Trüffel aus den Volksmusik-Archiven
Sonntag, 4. Dezember 2016: Diessener Advent – Zwischen alpenländischen Weisen und zeitgenössischer Chormusik

Diessen – Mit warmen Decken bepackt strömten sie in das Marienmünster – voller Vorfreude auf das Konzert, das mit dem Titel "Diessener Advent" seit 15 Jahren alpenländische und heimische Volksmusik mit zeitgenössischer Choral- und Instrumentalmusik verbindet: Über 600 Freunde und Verehrer dieses ganz speziell für Diessen sortierten Programms mit seinen musikalischen Raritäten kamen zum Teil auch von den benachbarten Regionen des Ammersees, um bekannte Gruppen zu hören. Darunter die "Stars" der zeitgenössisch interpretierten Volksmusik, d' Saitenschinder vom Diessener Trachtenverein mit Magnus Kaindl an der Spitze, der die Zusammenstellung der Musikgruppen verantwortet und Stephan Ronkov, dem Kirchenmusiker und musikalischen Leiter im Marienmünster.

Wie vom Publikum dieser speziellen vorweihnachtlichen Veranstaltung in der Reihe der Diessener Münsterkonzerte erwartet, spielten Musik-Raritäten eine tragende Rolle. Neues hatte Magnus Kaindl gesucht. Trüffelstückchen entdeckte er in den Volksmusikarchiven der Bezirke Oberbayern und Schwaben. "Notenblätter unbekannter Herkunft, Notenfolgen, die oft nur auf Zettel gekritzelt worden sind, ohne Urhebernennung", solche Entdeckungen liebt Kaindl, die entweder von den Volksmusikarchiven spielbar aufbereitet werden oder von ihm und seinen Saitenschindern arrangiert, wie zum Beispiel das beim "Diessener Advent" intonierte "Menuette" und "Andante".

Neu in diesem Jahr im Altarraum des Marienmünsters die Lechfelder Bordun-Musik mit den Musik-Ethnologen Johannes Sift (steirische Harmonika) und Christoph Lambertz (Kontrabass) mit Vroni Brehm an der böhmischen Hakenharfe. Sie haben sich auf Bordun-Musik konzentriert. Bordun ist ein Halteton, der zur Begleitung der Melodie durchgehend mitschwingt. "immer derselbe Ton, um den sich die Tonfolge herumwindet", sagt Sift und erzählt, dass diese Rolle dem Bordun-Instrument Dudelsack zugedacht war. Für den war es aber zu kalt im Marienmünster. Deshalb konnten Dudelsack und Harmonika nicht aufeinander eingestimmt werden. So ist der Dudelsack bei den "Polonaisen von Leopold Mozart", beim "Hirtentanz aus dem Ultental" und beim "Schwedischen Walzer" vom Bass ersetzt worden.

Heuer wieder dabei das Windacher Blechbläserquintett, das über eine stattliche Fan-Gemeinde in Diessen verfügt. Die Windacher eroberten mit einem neuen Arrangement von "La Rosa" die Herzen im Sturm mit seiner schmeichelnden, nahezu schmissigen Klangwelt. Die "Raunacht" hingegen inszenierten die Bläser kraftvoll, magisch und getragen in Moll. Überaus spannungsreich inmitten des Diessener Rokoko-Dekorationsstil mit seiner himmelhoch jauchzenden Anmutung, spürte das Publikum buchstäblich das Wilde, Ungestüme und Geheimnisvolle der Raunächte.

Zwischen den Instrumentalstücken leitete Kirchenmusiker Stephan Ronkov seinen Münsterchor lebendig und mit großer Reife durch ein feinsinnig und gekonntes Programm mit viel Abwechslung. Darunter "Ding Dong Merrily on high", "Hebe deine Augen auf" und "Der Friede Gottes".

Pfarrer Josef Kirchensteiner griff mit seinen Texten auch die Tendenz der Musikauswahl auf: In adventlichen Texten hat er herkömmliches und modernes verglichen oder in Kontext gestellt. Zum Beispiel den traditionellen Adventskalender mit dem Terminkalender, beide "Medien" gehen einem Ziel entgegen. Text: Beate Bentele

Der Panoramablick ins Marienmünster: Beim Diessener Advent sind aufgetreten d' Saitenschinder mit Magnus Kaindl, der Diessener Münsterchor unter der Leitung von Stephan Ronkov, die Lechfelder Bordun-Musik und das Windacher Blechbläser Quintett. Foto: Charly Kiemer. Alle weiteren Fotos: Beate Bentele.
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