Sein Ruf reicht bis in die Rocky Mountains
Juli 2017: Sepp Kaindl - Ehrenmitglied im Trachtengau Nordamerika – Bayerns berühmter Trachtler zwischen den Kontinenten

DIESSEN | BUFFALO – Es ist in der 130-jährigen Geschichte der Trachtenbewegung bis heute einzigartig, dass ein Trachtler aus Europa - über den großen Teich hinweg - einen Ehrentitel trägt, den es in der Brauchtumsbewegung nur äußerst handverlesen gibt: Josef "Sepp" Kaindl aus Diessen ist seit dem 1. Juli 2017 Ehrenmitglied im Trachten Gauverband Nordamerika. Beim Festakt im Convention Center der Stadt Buffalo N.Y. applaudierten ihm 1.600 Trachtler aus 72 kanadischen und US-amerikanischen Trachtenvereinen.

"Ich war sprachlos", erzählt Kaindl, als im März, genau am Tag der Neuwahlen im Heimat- und Trachtenverein d' Ammertaler Diessen – St. Georgen, die Botschaft aus dem US Bundesstaat New York am Ammersee eingetroffen ist. Sehr geehrt fühle er sich, hält Kaindl fest und eine gewisse Rührung kann er nicht unterdrücken. Er sei gegenwärtig das zweite Ehrenmitglied im Gauverband Nordamerika, dem die Würdigung für sein gesamtes Wirken zugesprochen worden ist. Weitere Anerkennungen seien jeweils an das Mandat gekoppelt, so gäbe es zum Beispiel ein Presse Ehrenmitglied oder ein Kassier Ehrenmitglied. Daraus resultiert, dass die Amerikaner mit ihren Titeln überlegt umgehen.

Sepp Kaindl steht immer noch unter dem Eindruck der hohen Auszeichnung, die ihm beim Gaufest der Gebirgstrachten- und Schuhplattlervereine – so lautet der Untertitel des Gauverbands Nordamerika in Erinnerung an die Vergangenheit und die Wurzeln in Bayern und Tirol – Zuteil wurde. Zum Gauverband Nordamerika gehören sieben Trachtenvereine aus Kanada und 65 Vereine aus US-Staaten. Nur alle zwei Jahre feiern sie ihr Gaufest, weil die Distanzen über Tausende Kilometer gehen und man nicht schnell mal zum Gaufest in der Nachbarschaft fahren kann.

Festlich im Grand Ballroom
Entsprechend aufwändig waren die Vorbereitungen. Allein drei der großen Hotels in Buffalo beherbergten am Festwochenende nur Trachtler. Der zweitägige Festakt konzentrierte sich auf das Buffalo Convention Center und den "Grand Ballroom" im Adam's Mark Hotel mit Blick auf die Nordost-Spitze des Erie-Sees. Buffalo ist mit über 261.300 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im US-Bundesstaat New York. In der Metropolregion Buffalo-Niagara leben über 1,2 Millionen Einwohner.

Fand im Adam's Mark Hotel weitgehend der aktive Teil des Gaufestes mit Trachtenpräsentation, Wirtshaussingen und Preisplatteln statt, konzentrierten sich die Festakte auf das Convention Center Buffalo. Hier erhielt Sepp Kaindl das Ehrenabzeichen sowie eine Urkunde, die die tiefe Dankbarkeit und Verehrung zum Ausdruck bringt … "für seine Freundschaft und Unterstützung sowie seine Hilfe und Förderung zwischen dem Gauverband Nordamerika und dem Bayerischen Trachtenverband." Sepp betonte in seinem Dankeschön, wie er bei vielen persönlichen Begegnungen, hier wie in den Staaten, Brauchtumsfragen und Hilfestellung beim Gwand, beim Tanzen, Platteln und bei der Volksmusik gegeben hat. "Alles mit großer Freude und aus vollem Herzen."

Nordamerika im Fokus
So hat der Kaindl Sepp unter anderem die Patenschaft zwischen dem Bayerischen Trachtenverband mit dem Gauverband Nordamerika auf den Weg gebracht, die 2007 beurkundet worden ist. Als das Bayerischen Trachtenkulturzentrum im niederbayerischen Holzhausen eingerichtet wurde, hat Kaindl im Jugendbildungshaus, in dem jeder bayerische Trachtengau ein Zimmer hat, auch ein Nordamerika-Zimmer veranlasst und den Einbau betreut. Über Kontakte mit dem Festring München (Der Festring München e.V. ist ein Verein, dessen Zweck und oberstes Ziel die Wahrung und Pflege des Münchner und bayerischen Brauchtums ist. Anm. d. Red.) trug er dazu bei, dass beim Oktoberfest 2014 erstmals Mitglieder vom Gauverband Nordamerika mitmarschiert sind.

Schon seit 1970 steht Sepp Kaindl mit Nordamerika in freundschaftlicher Verbindung, die sich 1978 verdichtete und schließlich durch eine Patenschaft zwischen dem Trachtenerhaltungsverein Edelweiss | Denver, T.E.V., und dem Trachtenverein Diessen ein festes Fundament bekommen hat. Nach der Fahnenweihe 1982 reiste Sepp Kaindl 1985 erstmals zu einem Gaufest nach Denver | Colorado. "Seitdem haben wir sehr viele Menschen kennengelernt und Freundschaften fürs Leben geschlossen." Dazu zählen vor allem auch Otto und Edith Gorner, die Gründungsmitglieder vom T.E.V. Edelweiss | Denver, die auch den Beitritt ihres Vereins zur Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau veranlasst haben.

Private Freundschaften haben die Diessener Trachtler inzwischen von New York bis San Francisco und von den Südstaaten bis hinauf nach Kanada geführt. 40 Bundesstaaten haben Leni und Sepp Kaindl dabei besucht oder bei ihren zahlreichen USA-Reisen durchquert bzw. gestreift. Es vergeht kaum ein Jahr, ohne Besuche aus den Staaten, die dann auch immer bei den Kaindls in Diessen anklopfen, denn die Trachtenbewegung über dem großen Teich ist riesig.

Am Fuße der Rocky Mountains
Allein im August 2016 waren 42 Jugendliche und Erwachsene aus Denver beim Jugend- und Familienaustausch am Ammersee. Über vier Wochen lang. Heute schon spart die Diessener Trachtenjugend auf den Gegenbesuch 2018, um mit den Freunden in Denver deren 60-jähriges Gründungsjubiläum am Fuße der Rocky Mountains zu feiern.

Trotz der großen Freude über die Anerkennung möchte der Kaindl Sepp kein Aufheben von sich machen. So ist er eben. Immer bescheiden als einer der bekanntesten bayerischen Trachtler in der Heimat und in der Welt. Die Auszeichnungen der jüngsten Vergangenheit als Ehrenvorsitzender im Diessener Trachtenverein und Ehrenvorsitzender im Huosigau, als Ehrenmitglied beim T.E.V. Edelweiß in Denver und jetzt beim riesigen Gauverband Nordamerika sieht der Träger der Lehrer-Vogel-Medaille (höchste Auszeichnung des Bayerischen Trachtenverband) als Auftrag: Er möchte weiterhin als Vorbild mit innovativen Ideen vorangehen, um Heimat- und Brauchtumspflege, Tradition und Tracht, Tanz und Musik gesellschaftlich zu gewichten. Text: Beate Bentele
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