Das Erlebnis Trachtenfest beginnt im Kopf
27. und 28. Januar 2018: Feste feiern – Das Seminar für Veranstalter im Trachtenkulturzentrum Holzhausen

DIESSEN | Holzhausen b. Landshut – In der Marktgemeinde Diessen wird 2020 groß gefeiert. Eine Festwoche, die den Heimat- und Trachtenverein d' Ammertaler Diessen – St. Georgen von Mittwoch, 10. Juni bis Sonntag, 14. Juni 2020 weit über die Region hinaus in den Blickpunkt rückt. Gefeiert werden
- 100 Jahre Heimat- und Trachtenverein d' Ammertaler Diessen - St. Georgen
- 50 Jahre Spielmannszug des Heimat- und Trachtenvereins
- 45 Jahre Alphornbläser
- Zeitgleich sind die Diessener Trachtler Veranstalter des Treffens historischer Trachten von Altbayern. Dazu werden 1.200 Trachtlerinnen und Trachtler am Ammersee erwartet. Sie kommen aus 40 Vereinen in Oberbayern - Außerdem richtet der Verein auch noch die höchste sportliche Disziplin des Bayerischen Trachtenverbandes aus, den Schuhplattler-Wettbewerb um den Bayerischen Löwen 2020.

Die Festwoche wirft ihre Schatten voraus: Seit Oktober 2017 ist der Festausschuss aktiv, um für die Großveranstaltung den organisatorischen und inhaltlichen Rahmen zu schaffen. Die Festgröße gab den Anlass, dass Ausschussmitglieder – Sepp Kaindl (Ehrenmitglied des Vereins), Jürgen Zirch (zweiter Vorsitzender) und Beate Bentele (Öffentlichkeitsarbeit und Presse) - ein zweitägiges Seminar zum Thema "Feste feiern und gestalten" im Trachtenkulturzentrum und Bildungshaus des Bayerischen Trachtenverbandes in Geisenhausen | Holzhausen belegten.

In erster Linie diskutierten sie im Austausch mit Mitgliedern aus fünf anderen Bayerischen Trachtengauen die zeitgemäße Festgestaltung - immer im Blick auf den Satzungsauftrag, wo es unter anderem heißt, dass Heimat- und Trachtentage oder Gaufeste und Brauchtumsveranstaltungen erhalten und gefördert werden.

Keine einfachen Themen, weil es viele Gründe gibt, warum in bayerischen Trachtengauen der Brauch der alljährlichen Gaufeste rückläufig ist: Entscheidungsträger mit Festerfahrung werden weniger, die "Manpower" in den Vereinen fehlt, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Strukturen verändern Vereine in Großstadtnähe. Es gibt Gaue, die über mangelnde Besucherzahlen bei Großveranstaltungen klagen, hingegen andere immer mit vollem Haus (bis zum 8.000-Mann-Zelt) rechnen und kalkulieren können.

Es ist deutlich geworden, wie sich vorwiegend regionale Unterschiede auf die früher homogene Trachtenbewegung auswirken, das heißt im Klartext: Egal ob Heimatabend, Trachtenfest oder mehrtägiges Gaufest, Veranstalter heute müssen vor jeder Veranstaltung ihre Ziele an den regionalen Eigenheiten messen und mit ihrer Liebe zum Brauchtum den Spagat zwischen Einst und Jetzt schaffen.

Mit Andreas Hilger, dem Musikwart für Blasmusik beim Chiemgau Alpenverband (d' Gederer Rottau), zugleich Sachausschussvorsitzender für Volksmusik und Volkslied im Bayerischen Trachtenverband und Mitwirkender im Festring München (Oide Wiesn-Organisation), und mit Michael Hauser, stellvertretender Vorsitzender und Festberater vom Gauverband I aus Peterskirchen, hatten zwei erfahrene "Feste-Macher" das Seminar qualifiziert in der Hand. Man kann salopp sagen, dass sie mit allen Wassern gewaschen sind und auch noch mit dem Quäntchen Humor ausgestattet, um das Riesenthema auf eine breite Basis zu stellen.

Es ist ihnen gelungen, nicht nur Programm-Inhalte zu diskutieren, sondern auch die Sorgen mancher Festveranstalter und deren Berührungsängste vor Großveranstaltungen zu zerstreuen. Problematisch sind zum Beispiel Sicherheitskonzepte, steuerliche und versicherungstechnische Anforderungen, hohe Ausgaben für Musiken, Künstler oder Unterhaltungsprogramme – bei risikobehafteten Einnahmen.

Schon beim Einstieg in die zweitägige Gedankenarbeit verbreiteten die Referenten dank ihrer Kompetenz und Lässigkeit eine Lehr- und Lernstimmung, die ohne Hemmungen und mit viel Freude abging. "Aus einer Idee werden Gedanken. Aus Gedanken Worte. Aus Worte Taten und aus Deinen Taten wird Dein Fest." Für Michal Hauser eine klare Aussage, dass einem Fest immer mentale und psychologische Gedankengebilde vorausgehen. Am Sonntagabend hatten die 24 Teilnehmer Hausers Einstiegs-Theorie soweit verinnerlicht, dass sie mit ihrem persönlichen "Fest im Kopf" heimgefahren sind.

Kommentiert der Hauser Michi, dessen Festzelt im vergangenen Jahr 8.000 Personen fasste: "Wer groß denkt, erreicht Großes. Lasst Euer Fest groß werden!"

Wer Freude am Organisieren und Liebe zur Trachtensach' hat, findet im 45-seitigen Seminarprogramm vom Bildungshaus des Bayerischen Trachtenverbands in 84144 Geisenhausen – Holzhausen einen reichen Schatz an Fort- und Weiterbildung. Übrigens gibt es 2019 wieder ein Seminar zum Thema "Feste feiern". Mehr unter www.trachtenverband.bayern. Text | Fotos: Beate Bentele

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