Hutschen und Juchzen
Sonntag, 16. Oktober 2016: Diessen feiert Kirta am Vogelherd

Diessen – D' Wiesn ist aus! Es lebe die Diessener Wiesn! Zum Kirta hat der Diessener Trachtenverein wieder mal alle Register seiner Bewirtungskultur gezogen: Blasmusik, Hutschn, Kiachla, rustikale Brotzeiten – und Bier vom Fass. Augustiner-Chefkellner vom Wiesn-Zelt, Jürgen Zirch, hat eine weiß-blaue Genusswelt aufgebaut und ausg'schenkt was das Zeug hält, unterstützt von Orts-Redakteur Gerald Modlinger, dessen geheime Passion die Schankkellnerei ist, und von Stefan Scheidl im Weinzelt. Diessen hat unter wolkenlosem blauen Himmel ein einzigartiges Kaiserwetter genossen, wie es um diese Jahreszeit rar ist. Die Veranstalter gehen von rund ein Tausend Gästen aus, die bis von München wegen der Diessener Kirta angereist sind.

"So stellen wir uns bayrische Pracht und Herrlichkeit vor", lacht ein Besucher in Lederhosn und mit Gamsbart am Hut, dem man ansieht, dass er das bayrische Gwand nur ab und zu trägt: "Fröhliche Menschen, schmissige Blasmusik, Kinder die tanzen und Sonne pur." Tatsächlich sehnten sich viele nach warmen Sonnenstrahlen und die Fahrzeugkolonne zum Vogelherd hinauf war entsprechend lang. Schon vor das Programm so richtig los ging, mussten schnell schnell mehr und mehr Biergarten-Garnituren aus dem Depot geholt werden – dennoch reichte der Platz nicht für alle, die dabei sein wollten.

Die lustigen Kellnerinnen vom Diessener Trachtenverein eilten durch die Tischreihen, damit die Gäste gleich nach der Brotzeit noch dampfenden Kaffee und heiße Kirta-Kiachla genießen konnten. Die Trachtenkinder mischten kräftig mit, sammelten Geschirr ein und spülten die Krüge vor. Die Uttinger Blasmusikfreunde spielten auf und erhielten viel Applaus. Und das Beste: Vor der Kirta-Hutschen warteten Groß und Klein geduldig, bis sie sich auf der Balkenschaukel den wahren Adrenalin-Schub abholen konnten. Die Juchzer und Jauchzer schallten über das Gelände, wobei nicht immer klar war, ob es Freudenschreie oder angstvolle Rufe waren. Zwischendrin die Schatzberg-Jodler, die vor vier Wochen ihr viertes Jodel-Seminar in Diessen auf die Beine gestellt hatten.

Und für viele das Schönste: Die Diessener Trachtenzwerge, die zeigten, wie fein sie schon das Tanzbein schwingen können. "Hacke, Spitze eins zwei drei" lockte Kinder an, die noch nicht beim Trachtenverein sind und die interessiert zuschauten, was die Trachtenzwerge schon können. Manche wagten sogar, ein paar Schritte mitzutanzen – aber alle waren sie voller Stroh. Von Kopf bis Fuß, weil sie vom Strohballenhupfen nicht genug kriegen konnten. Jugendleiterin Regina Hinterbichler forderte immer wieder zum Mittanzen auf – auch die Eltern – und informierte über die Jugendarbeit (jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr im Trachtenheim), "wo man das alles und noch mehr lernen kann."

Als die Sonne langsam verschwand, gab es weder Kuchen noch Brotzeiten, alle Vorräte waren erschöpft und die Gäste verabschiedeten sich satt und zufrieden. Zu den letzten, die sich vom Trachtenverein trennten, gehörte der Sporer Michi, beliebter Moderator (unter anderem Blickpunkt Sport im BR oder Wir in Bayern), der augenscheinlich ganz schön Spaß hatte – leider ist die Kirta-Hutschn keine offizielle Sportdisziplin, sonst kämen wir sicher auch damit ins Fernsehen. Text | Fotos: Beate Bentele
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