Diessen hat wieder einen Maibaum
1. Mai 2017: Seit 2013 war der Maibaumplatz leer – Jetzt grüßt der Wettergockel wieder von seinem 31 Meter hohen Sockel

Diessen – Ein halbes Jahr haben sie ihn allerbest gepflegt und zum Schluss gar noch gegen vier oder mehr Angreifer oder "Klauer" siegreich verteidigt: Den Maibaum. Die Diessener Trachtler haben heuer wieder ein "Traditionsstangerl" aufgestellt, das 31 Meter lang ist, in der Thomasnacht im heimischen Wald gefällt wurde und über Monate immer wieder bearbeitet und am Ende mit den beliebten Musterklassikern in weiß-blau dekoriert worden ist.

Diessen ist stolz, nach mehrjähriger Pause (wegen Fäulnis im Stamm und Straßenumgestaltung) endlich wieder ein Signal zu besitzen, das die Dorfmitte kennzeichnet, Fremden und Sommerfrischlern den Weg weist – und letztlich jeden Tag stolz verkündet: Wir leben hier in Oberbayern und ein Maibaum gehört zu unserem Brauchtum, das auch an der Schwelle zur Gegenwart regionale Besonderheit – und Lebensfreude verkündet.

Gut und gern 2.000 – eher mehr schätzen erfahrene Großveranstalter – haben sich bereits mit Sonnenaufgang eingefunden, damit sie von dem Spektakel auch keine Sekunde versäumen. Allerdings hat sich das Zeremoniell wegen Transport-Schwierigkeiten erheblich verzögert: Es war fortgeschrittener Vormittag, als im Bereich der Fischerei endlich die Klänge vom Spielmannszug des Diessener Trachtenvereins ertönten und das Pferdegespann von Josef Steinle aus Wengen erschien, das den über 30 Meter langen Stamm, den Experten auf zwei Tonnen Gewicht schätzen, endlich um das Rathaus-Eck transportierte.

Die Trachtler, unterstützt aus der Bevölkerung und unter der Regie von drei Generationen Handwerkskunst der Diessener Zimmerei Ender stellten den Maibaum in Millimeterarbeit auf. Gegen 12 Uhr rastete die Fichte in die vorgesehene Halterung an der Mühlbachbrücke – und der ganze Platz bebte vom Applaus.
Bis die weiß-blaue Fahne an der Spitze wehte, die Zunftzeichen in Reih und Glied angebracht waren und der Blitzableiter auch in Position gebracht war, vergingen noch Stunden. Erst die Bayernhymne beendete das beeindruckende Spektakel, während im Hintergrund Hunderte von Besuchern auf dem alten Schlachthof und die Mühlstraße rauf und runter in den Mai hineinfeierten. Vorzüglich verköstigt vom Trachtenverein mit warmen und kalten Brotzeiten, mit Augustiner von Fass, Kaffee und Kuchen, dazu spielte der Musikverein Diessen auf, die Trachtenkinder tanzten – und hätte es nicht angefangen zu regnen, dann säßen sie noch heute …

Für die Trachtler eine Aktion, die den Verein Wochen, ja Monate ganz schön auf Trab gehalten hat. "Unendlich viel Arbeit", waren die Ausschussmitglieder bei ihrer Bilanz sicher, "aber es hat sich gelohnt: Diessen, der Fremdenverkehrsort, hat wieder einen Maibaum!" Text | Fotos: Beate Bentele
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