"Wir feiern die Himmelkönigin"
15. August 2015: Festliches Patrozinium – Hochaltarbild schiebt sich vor offene Mysterienbühne – Trachtenverein aktiv

Diessen – Großartige Augenblicke halten das Hochfest zu Mariä Himmelfahrt 2017 in bester Erinnerung: Erstmals empfing das Diessener Marienmünster die Kirchenbesucher zum Patrozinium mit dem geöffneten Theatrum sacrum, der Heiligen Bühne im Hochaltar. Bekränzt von Gladiolen und Kerzenlicht begrüßte die Patronin der Barockkirche als lebensgroße Figur die Gläubigen. Nach dem Einzug der Fahnenabordnungen erfüllte Stille den "Thronsaal Gottes" und das Hochaltarbild ist aus seiner acht Meter tiefen Versenkung am unteren Altarrand aufgetaucht und hat die offene Mysterienbühne langsam verschlossen.

Wie von Geisterhand funktionierte die Elektronik, die binnen weniger Minuten das vom Münchner Maler Balthasar Augustin Albrecht 1738 geschaffene Bild wieder an Ort und Stelle brachte. Es zeigt die von Engeln geleitete Muttergottes, die mit ausgebreiteten Armen ihrem Sohn entgegenblickt. Pfarrer Josef Kirchensteiner: "Wir feiern die Himmelskönigin, deshalb haben wir sie symbolisch in den Himmel auffahren lassen."

Zum Gesamtbild des Hochfests gehören die Fahnenabordnungen der Vereine. Dieses Mal auch dabei die Standarte der Fischereigenossenschaft Ammersee, die zu den schönsten der historischen Fahnen gehört und Jesus als den Menschen-Fischer zeigt. Getragen von dem jungen Paul Gruber aus der Fischerei Stumbaum in Herrsching. Im Fokus natürlich die drei Tragefiguren aus dem 18. Jahrhundert: die jungfräuliche, die schmerzhafte und die glorreiche Gottesmutter. Festlich geschmückt mit Sonnenblumen, sind Mitglieder vom Heimat- und Trachtenverein Diessen-St. Georgen mit den schweren Marienfiguren ins Kirchenschiff eingezogen. Für den Blumenschmuck, wie auch für den großen Kräuterbuschen neben der Mariendarstellung im linken Seitenschiff bedankte sich Pfarrer Kirchensteiner mit innigen Worten bei den Trachtlern, ohne deren Engagement das Brauchtum im Jahreslauf keine Zukunft hätte.

Begeistert honoriert wurde auch die Predigt vom Pfarrer Kirchensteiner, die er – frei gesprochen – zwischen den Kirchenbesuchern gehalten hat. "Sie sind mir zu weit weg, wenn ich nur vorne rede", hielt er fest. Immerhin war das Marienmünster bis auf den letzten Platz besetzt und die Stehplätze bis zum Hauptportal auch überaus begehrt.

Die Herrlichkeit Mariens
"Bei aller Herrlichkeit Mariens wird übersehen, dass wir auch ihren Todestag begehen", hielt der Pfarrer in seiner Predigt fest. Beim Todestag schaue man zurück auf das Wesentliche im Leben. Deshalb skizzierte er die wichtigsten Stationen der Gottesmutter, orientiert am biblischen Befund. Er nannte die vier Evangelisten Lukas, Matthäus, Johannes und Markus, die am Altarsockel abgebildet sind. "Die sagen uns, was wichtig war." Demnach sei Maria nicht nur Vorbild, sondern auch Fürsprecherin im Himmel: "Maria ist uns vorausgegangen, wir können den Weg in den Himmel finden, wenn wir sie als Schwester im Glauben zum Vorbild nehmen."

Wie es der Brauch ist, gehört die Segnung der Kräuterbuschn zum Abschluss des Gottesdienstes, die Kirchenbesucher vor dem Altarraum in Körben oder Gebinden niedergelegt hatten: "Wir segnen die Blumen und Kräuter, sie sind wichtig als Heilmittel und als Würze für unsere Speisen, sie sind nützlich für Leib und Seele."

Mit großem Applaus hinauf auf die Königsorgel verabschiedete sich die Kirchengemeinde auch vom musikalischen Rahmen des Festgottesdienstes: Chor und Orchester des Marienmünsters unter der Leitung von Diessens Kirchenmusiker und künstlerischem Leiter Stephan Ronkov verzauberten mit Messenvertonungen der Missa solemnis von Wolfgang Amadeus Mozart (1766-1791). Sie verbinden hohe künstlerische Vollendung und Klangschönheit mit den Erfordernissen der Liturgie. Selbstredend wurde auch das Hallelujah von Georg-Friedrich Händel (1685-1759) als ein musikalischer Höhepunkt gelobt. Ronkov hatte für das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel einen stattlichen Klangkörper zusammengestellt mit dem Münsterchor und einem Orchester, in dem sich vor allem auch junge Musikerinnen und Musiker bewährten. Text | Fotos: Beate Bentele
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