Vom bairischen Gebirg bis ins Alte Wien
29. September 2018: Magnus Kaindl und seine Hoagartn-Gäste im Unterbräu

Diessen – "Und s' Dirndl hat g'sagt, i soll zu ihr kemma heit' auf d' Nacht, und soll ihr an Steirerischen, an Steirerischen Landler aufspuin." Die Dry Franz aus Diessen haben mit ihrem Auftakt-Lied voll ins Schwarze getroffen: Beim Saitenschinder Hoagartn im Diessener Unterbräu ging die Tür nimmer zu, so viele sind dem Ruf von Magnus Kaindl gefolgt. "So schee und abwechslungsreich wars beim Hoagartln scho lang nimmer", verabschiedete sich das Publikum singend und juchzend gegen Mitternacht.

Wie jedes Jahr zur Wiesn-Zeit kündigt der Vorsitzende vom Heimat- und Trachtenverein d' Ammertaler Diessen-St. Georgen den Saitenschinder Hoagartn an, den er vor 22 Jahren als junger Musikant ins Leben gerufen hat. "Die Ton- und Gesangswelten der Saitenschinder sind schon immer extra, was ganz Besonderes, das man nicht jeden Tag hört", sagt einer von den Dry Franz, "deshalb freuen wir uns, dass wir heuer auch dabei sind." Wie beim Hoagartn üblich, spielt auf, wer Lust und Freude hat, wie zum Beispiel die Ziachmusik vom Trachtenverein, oder der junge Sebastian Hoffmann aus Windach, der Premiere hatte mit seiner Ziach, die er gerade mal ein paar Monate spielt und dass er es gut macht, beweist der Applaus. Das Duo Magnus und Johannes, letztgenannter spielt auch bei Gruppen wie d' Liadhaber, dem Landlerdelirium und Quetschendatschi, gehört zu den Musikern, die man in Diessen kennt.

Erstmals neu und spontan angereist, das Duo Namenlos, "wir haben uns in Diessen kennengelernt, deshalb treten wir heute auch hier auf", stellen sich Otto aus Starnberg (Gitarre) und Angelika aus Landsberg (Geige) vor. Sie präsentieren schwierige Stücke aus ihrem Zwiefach-Repertoire, "eine wunderbare Musik", erklärt Magnus Kaindl, "aber Zwiefache spielen und auch noch dazu singen, fordert Musikanten stark heraus."

Almerische Landler
Das vielseitige Programm quer durch Zeit und Zeitgeist ist groß rausgekommen: Unter anderem sind Musiken aus drei Jahrhunderten interpretiert worden mit Polka, Walzer, Landler, Dreher und Mazurka, dazwischen freche Lieder, sanfte Jodler, vom Boarischen bis zur Schwedischen Polonaise. Die Musikanten spielten Landler nach 200 Jahre alten Handschriften und setzten Noten von überlieferten almerischen Weisen um – und alle miteinander formulierten einen aktuellen musikalischen Reigen.

Ausflug ins Kabarettistische
Gleich ob es "Die Liebeslaube" der Ziachmusi war, die Dry Franz "Und `s Gams im Gebirg" vorgetragen haben und Johannes Sift am Ende auf seiner steirischen Harmonika mitverursachte, dass seinem Duo-Partner Magnus Kaindl mit der Telefonbuch-Polka von Georg Kreisler (1922-2011) ein gigantischer Ausflug ins Kabarettistische gelang: " … Ich les nicht in Journalen, ich red mit kaner Frau - Für die mißt ich noch zahlen, dazu bin ich zu schlau. Wenn ich Inspiration such, Gesellschaftsliaison such, les ich das Telefonbuch. Dort find ich das genau - Alle meine Freind stehn drin und zwar auf Seite ‚Vau': Vondrak, Vortel, Viplaschil, Voytech, Vozzek, Vimladil, Viora, Vrabel, Vrtilek, Viglasch, Vrazzeck, Vichnalek, Vregga, Vrba, Vikodill, Vrablic, Vutzemm, Viskocil, Vochedecka, Vuggelic, Vrtatko, Vukasinowitc …". Schön war's. Gute Nacht. Text | Fotos: Beate Bentele

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