Zum Tanzn bin i ganga
Samstag, 12. November 2016: Tanztag und Herbstvolkstanz

Diessen – Manche lieben ihn, andere lehnen ihn ab. Dazwischen gibt es nicht viel: Der Zweifache oder taktwechselnde Tanz hatte den Diessener Samstag Diessen fest im Griff. Den ganzen Tag über trainierten Tanzfreudige aus der Region das Zwiefach-Tanzen im Traidtcasten, das fast nahtlos in den großen Herbstvolkstanz des Heimat- und Trachtenvereins d' Ammertaler Diessen – St. Georgen überging. Beide Veranstaltungen standen unter der Leitung von Tanzmeister Magnus Kaindl.

"Es ist schon eine sportliche Leistung, von 10 Uhr vormittags bis Mitternacht das Tanzbein zu schwingen", lacht Robert Bauer, der fürs bairisch Tanzen eigens aus dem Landkreis Ebersberg anreist. Das Tagestanztraining in Theorie und Praxis ist eine Veranstaltung vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, die neben Kaindl auch der Musiker und Lehrer Johannes Sift mit der steirischen Harmonika und der Geige gestaltet. Die Teilnehmer im Traidtcasten - darunter auch die Besitzer einer Münchener Tanzschule - kommen teilweise von weit her, um mit dem Diessener Tanzmeister zu üben, "weil sein Ruf über Kocherlball und über fachlich orientierte interne Netzwerke einfach gewaltig gut ist", wie Besucher aus dem Chiemgau betonen.

Das praktische Tanzen startete mit einfachen, sprich regelmäßigen Zwiefachen, bei denen sich Walzer und Dreher in gleicher Anzahl wiederholen. Gegen Mittag steigerte sich der Schwierigkeitsgrad enorm mit Tanzfolgen, wo das Gehör eine wichtige Rolle spielt und das Schrittfolgen zählen keinen Wert mehr hat. Die Zwiefachen, so ist bei Erich Sepp nachzulesen (Publikation "Schwäbisch-alemannische Zweifache"), erleben eine ungewöhnliche Renaissance. Der Fachmann spricht vom bayerischen Exportschlager, "denn man tanzt Zwiefache inzwischen nicht nur in bayerischen Nachbargebieten, sondern weltweit. In Nordamerika versteht man unter ‚German Dance' die Zwiefachen."

Dass sich die Schreiner Geiger, die Musikanten des großen Herbstvolkstanzes, dann auch auf die Zwiefachen einstimmten, lag fast in der Luft. Dennoch ging es auf dem Tanzboden mit rund 200 Tanzfreudigen so zu, wie es der Brauch ist: Pünktlich um 20 Uhr großer Auftanz mit wilden Figuren und Schrittfolgen, die dann nach dem Galopp ganz klassisch in "Alles Walzer" übergingen. Der Tanzmeister spielte bis Mitternacht auf einer wunderbaren, abwechslungsreichen Klaviatur: Er zeigte Figurentänze an, Rundtänze, Boarische, Polka, Landler, Dreher und zum Schluss sogar noch einen kessen Cha Cha Cha. Noch was Auffälliges: Der Tanzboden war stets voll, die Tische nur in den Pausen oder zur Brotzeit besetzt. Text | Fotos: Beate Bentele
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